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08.08.2019

Autonome Verwaltungsverfahren

Autonome Systeme prägen die Digitalisierung von morgen. Doch lässt sich dieser Autonomisierungstrend auch auf Verwaltungen übertragen?

SOB-Redaktuion, Kompetenzzentrum Öffentliche IT | https://www.oeffentliche-it.de/-/autonome-verwaltungsverfahren
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Das Kompetenzzentrum Öffentliche IT hat eine Themenseite "Autonome Verwaltungsverfahren" veröffentlicht. Sie führt in das Thema ein, zeigt Potentiale wie auch Risiken auf, und wagt eine Folgenabschätzung.

Lassen sich Rechtsnormen in »Wenn-Dann«-Regeln übersetzen, wird vollautomatisiertes und transparentes Verwaltungshandeln ermöglicht. In diesen "deterministischen Systemen" werden Entscheidungen durch die ausschließliche Anwendung von expliziten, widerspruchsfreien Regeln getroffen. So können beispielsweise Bewohnerparkausweis ohne menschliches Zutun auf Behördenseite ausgestellt oder bei Neuanmeldung eines Kindes beim Standesamt direkt die Auszahlung des Kindergeldes initiiert werden.

Weit komplexer wird es, wenn ein gewisser Interpretationsspielraum bei Entscheidungsfindungen besteht, wie beispielsweise die Bewilligung eines Bauantrages. Zwar könnten Neuronale Netze hierfür trainiert und eingesetzt werden. Dies ist jedoch nicht unproblematisch. Denn zum einen bestimmen die Trainingsdaten das Verhalten des Netzes. Deswegen besteht das Risiko, dass Verzerrungen und Vorurteile in den menschengemachten Daten angelernt werden. Zum anderen ist die Entscheidungsfindung kaum nachvollziehbar. Einzig der Input in Form von Daten sowie der letztliche Output in Form der Entscheidung sind bekannt, nicht jedoch die Vorgehensweise, die sich durch Lernen aus vergangenen Entscheidungen kontinuierlich anpasst. Damit hat diese Künstlichen Intelligenz ein Akzeptanzproblem. Werden wir die Ablehnung unseres Bauantrages durch ein neuronales Netz akzeptieren können oder hat der Einsatz solcher Technologien eine Erhöhung der Widerspruchsrate zur Folge, um eine manuelle Bearbeitung des Einspruchs zu erzwingen?

Das Kompetenzzentrum Öffentliche IT empfiehlt daher digitale Verwaltungsverfahren neu denken anstatt nur Bestehendes abzubilden und dabei Verwaltungsprinzipien wie Transparenz, Gleichbehandlung und Vergleichbarkeit zu wahren.

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Kategorie: Digitalisierung
Region: Deutschland
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